Ist die Höhlenkunst von Gabarnmung die älteste der Welt?
Tief unter einem gewaltigen Felsblock, der von schlanken Steinsäulen getragen wird, entdeckten Forscher die älteste Steinaxt der Welt und eine Fülle bunter Kunstwerke.
Die Gabarnmung-Höhlenkunst
Die Gabarnmung-Höhlenkunst befindet sich im Südwesten von Arnhem Land, Northern Territory, Australien. Sie bedeckt das Dach einer riesigen Felsüberhangung wie ein atemberaubendes Wandbild, das Hunderte lebhafter und kühner Werke zeigt. Die Kunst erstreckt sich auch über 36 bemerkenswerte Sandsteinpfeiler, die wie Tempelsäulen wirken und die Höhle zu stützen scheinen.
Bisher gilt die Chauvet-Höhle in Südfrankreich als ältester Fundort menschlicher Kunst. Doch die Werke von Gabarnmung könnten die französischen um Jahrtausende übertreffen. Forschende bestimmen derzeit akribisch das Alter der Malereien mittels chemischer Datierung. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Gabarnmung älter ist.
Tausende von Jahren bevor Menschen die Chauvet-Höhle bewohnten, lebten sie bereits in Gabarnmung: Holzkohle aus den tiefsten Schichten wurde auf ein Alter von 48.000 Jahren datiert. Für Europäer ist das prähistorisch; eine direkte Verbindung zu dieser Zeit existiert nicht.
Die kulturelle Bedeutung der Gabarnmung-Gemälde
Am wichtigsten an den Gabarnmung-Malereien ist jedoch nicht ihr Alter, nicht ihre Farben, nicht ihre Pracht oder Komplexität. Entscheidend ist, dass das Jawoyn-Volk – die Nachfahren der Kultur, die diese Werke schuf – heute noch lebt. Für die Jawoyn, so Finkel,
sind diese Bilder, Werkzeuge, Speere, mit Ocker bemalt Schädel und Knochen ihre Geschichte.
Wissenschaftler arbeiten in der Höhle, um die Kunst zu verstehen und zu datieren, und geben den Jawoyn dadurch eine wissenschaftliche Sicht auf ihre kulturelle Geschichte. Jean-Michel Geneste, Forscher an der Universität Bordeaux, betont, dass dieser Austausch in beide Richtungen verläuft.
Wenn die Wissenschaft dem Jawoyn-Volk etwas bieten kann, kann das Jawoyn-Volk auch der Wissenschaft etwas bieten. Geneste erklärt telefonisch aus seinem 300 Jahre alten Steinhaus in Südfrankreich: „Niemand erklärt uns die Chauvet-Höhle. In Frankreich sind das Orte ohne Erinnerung, ohne Leben. Mit Gabarnmung haben wir Glück. Dort gibt es eine lebendige Kultur, es gibt Erinnerung. Die Jawoyn helfen uns, neues Wissen aufzubauen.“
